Vorteil Vereinbarkeit – eine Investition in die Zukunft!

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Franziska Giffey Bundesfamilienministerin
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Aktuell stecken Politik, Wirtschaft und Gesellschaft noch bis zum Kopf in der Bewältigung der Coronavirus-Pandemie und damit einer der schwersten Krisen, die unser Land je erlebt hat. Dank der finanziellen Unterstützung für Wirtschaft und Gesellschaft und der berechtigten Hoffnung, dass die breit angelegte Impfstrategie Wirkung zeigt, bin ich überzeugt, dass die Situation bald besser wird. Deshalb: Richten wir den Blick nach vorn, in die Zukunft.

Was ist langfristig eine der größten Herausforderungen für unsere Wirtschaft?

Der in immer mehr Branchen spürbare Fachkräftemangel. Er hat das Potenzial, für unsere Unternehmen zum Bremsklotz bei ihrer Aufholjagd nach der Krise zu werden. Um aus der Corona-Krise rasch herauszuwachsen, brauchen wir gut aufgestellte Unternehmen, die sich auf dem Weltmarkt behaupten können. Und zu jedem guten Unternehmen gehören motivierte und qualifizierte Arbeitskräfte. Sie sind das A und O für unternehmerischen Erfolg.

Vorteil familienorientierte Unternehmenskultur

Wertvolle Arbeitskräfte sind Frauen wie Männer. Die Erwerbsquote von Frauen ist in den letzten 50 Jahren von 45 Prozent (1970) auf zuletzt rund 76 Prozent (2018) gestiegen – ein großer gesellschaftspolitischer Erfolg.

Aber sie liegt nach Eurostat immer noch gut 8 Prozent unter der der Männer. Wir verschenken hier ein großes Potenzial. Dass wir uns das längst nicht länger leisten dürfen, zeigt ein Blick auf die demografische Fieberkurve des Statistischen Bundesamtes: In den nächsten 20 Jahren wird unser Arbeitsmarkt 4 bis 6 Millionen Arbeitskräfte verlieren, je nach Rechenmodell.

Damit stellt sich für viele Unternehmen die Frage, wo noch Fachkräfte zu finden sind. Ich bin überzeugt: Teil einer guten Antwort auf diese Frage muss die weitere Erhöhung der Erwerbsquote von Frauen sein. Viele von ihnen sind sehr gut ausgebildet und arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit als Männer, obwohl sie sich oft einen höheren Stundenumfang wünschen.

Dabei ist das Rezept, wie Unternehmen das ändern und Frauen für sich gewinnen können, bekannt: mit einer familienorientierten Unternehmenskultur, betrieblich unterstützter Kinderbetreuung, flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice. Dass solche Angebote bei ihnen hoch im Kurs stehen, ist wenig überraschend. Vereinbarkeitsfragen stellen sich bis heute stärker für Frauen. Sie verbringen täglich rund 1,5 Stunden mehr als Männer damit, die Oma zu pflegen, Wäsche zu waschen oder den nächsten Kindergeburtstag zu planen. Und das an 7 Tagen in der Woche.

Die gute Nachricht ist: Immer mehr Unternehmen erkennen, dass Familienfreundlichkeit längst kein „nice to have“ mehr ist – und handeln danach. Einer repräsentativen Befragung zufolge hat in der aktuellen Krise jedes zweite Unternehmen familienbewusste Angebote eingeführt oder bestehende ausgeweitet. 82 Prozent der Unternehmen sagen, dass Kinderbetreuung ein zentraler Faktor für ihre Produktivität ist. Fast genauso viele geben an, dass vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen nach der Krise für sie wichtig bleiben.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei kein „Frauen-Ding“. Sie kommt nicht ohne die Väter aus, und sie kommt ihnen auch zugute. Denn ihr Rollenbild hat sich gewandelt: „Er versorgt und sie betreut“ – das entspricht längst nicht mehr dem Wunsch vieler Familien.

Partnerschaftlichkeit ist angesagt. Unternehmen, die wettbewerbsfähig bleiben, Fachkräfte gewinnen und halten wollen, reagieren auf diesen Wandel. Sie zeigen sich flexibel, wenn die Eltern ihre Arbeitszeiten miteinander abstimmen und machen Partnerschaftlichkeit möglich. Dadurch gewinnen sie zufriedene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Wir im Bundesfamilienministerium unterstützen das. Dafür arbeiten wir bereits mit über 7.700 Unternehmen im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ zusammen, zeigen gute Beispiele auf oder helfen bei schwierigen Aufgaben im Personalmanagement. Zudem unterstützen wir Unternehmen mit unserem Förderprogramm „Betriebliche Kinderbetreuung“ dabei, zusätzliche Betreuungsangebote zu schaffen.

Wir stehen ihnen zur Seite, weil nur sie für eine familienbewusstere Arbeitswelt sorgen können. Für eine familienfreundliche Gesellschaft und gute Vereinbarkeitsbedingungen ist wiederum die Politik zuständig. Auch hier ist viel passiert.

Vorteil Vereinbarkeit für Familien und Gesellschaft

Bund, Länder und Kommunen haben massiv in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert. Seit 2008 sind über 780.000 zusätzliche Betreuungsplätze in Deutschland geschaffen worden. Mittlerweile besucht mehr als jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Kita oder Betreuungseinrichtung. 2006 waren es nicht mal halb so viele. In der Gruppe der drei bis sechs Jährigen liegt die Betreuungsquote mittlerweile bei rund 94 Prozent.

Gut aufgestellte Betreuungseinrichtungen sind eine wertvolle Zukunftsinvestition. Denn sie sorgen dafür, dass alle Kinder von Anfang an in ihren Talenten gefördert werden. Zugleich gibt eine zuverlässige Betreuung Müttern und Vätern die Möglichkeit, sich ihr Familien- und Arbeitsleben nach ihren Wünschen aufzuteilen. Wie wichtig das ist, hat uns die Corona-Krise eindrücklich vor Augen geführt. Kitas und Schulen sind Taktgeber unseres Alltags und wirtschaftspolitisch zentral. Ohne sie funktioniert unser Gesamtsystem nicht.

Erst das bessere Betreuungsangebot hat Mütter in die Lage versetzt, ihre Erwerbstätigkeit auszuweiten. Im Vergleich zu 2006 haben sie im Jahr 2018 rund 1,5 Milliarden Stunden mehr in ihrem Job gearbeitet. Das entspricht in etwa 750.000 Vollzeitstellen. Fast genauso viele Lehrerinnen und Lehrer gibt es an unseren allgemeinbildenden Schulen. Mehr zu arbeiten ist gut für Frauen, ihr Einkommen, ihre Altersvorsorge und die wirtschaftliche Stabilität ihrer Familien. Denn Familien und Kinder sind nachweislich besser vor Armut geschützt, wenn beide Eltern ein Einkommen erzielen.

Diesen Weg gehen wir weiter und investieren bis 2022 mit dem Gute-KiTa-Gesetz 5,5 Milliarden Euro für mehr Qualität und weniger Gebühren in der Kindertagesbetreuung. Und auch nach 2022 investiert der Bund über das Gute-KiTa-Gesetz weiter in die frühkindliche Bildung.

Mit dem im Konjunkturpaket enthaltenen „5. Investitionsprogramm Kinderbetreuungsfinanzierung“ haben wir von Bundesseite nochmal eine Milliarde Euro für bis zu 90.000 zusätzliche Plätze nachgelegt.

Und weil eine gute Betreuung und Vereinbarkeit nicht am Kita-Tor endet, setzen wir uns für einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen ein. Diese Forderung wird auch immer wieder von Eltern und der Wirtschaft erhoben. Im Rahmen des Konjunkturpaketes hat der Bund die dafür geplanten Mittel noch einmal erhöht. Die ursprünglich vorgesehenen 2 Milliarden Euro an Investitionshilfen haben wir um zusätzlich bis zu 1,5 Milliarden Euro aufgestockt.

Ich bin zuversichtlich, dass wir mit diesem guten Angebot im Frühjahr zu einer Einigung kommen. Das wäre ein starkes Signal für mehr Chancengerechtigkeit für alle Kinder. Und dafür, dass wir den Familien in unserem Land weiterhin zur Seite stehen und uns für eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf starkmachen.

Denn eine gute Vereinbarkeit und mehr Familienfreundlichkeit sind ein Vorteil für alle: für Frauen und Männer, für Familien und Unternehmen, für die Zukunft unserer Kinder und damit für unser ganzes Land. Stellen wir die Weichen für eine gute Zukunft!