MINT-Bildung als Chance für die Wirtschaft

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Die demographische Entwicklung Deutschlands ist eine der größten Herausforderungen für die Wirtschaft und nicht zuletzt einer der zentralen Gründe für einen zunehmenden Fachkräftemangel in vielen Branchen.

Das betrifft nicht nur, aber dort ganz besonders, die sog. MINT-Fachkräfte. Hier gibt es einen eklatanten Mangel an qualifizierten Frauen und Männern in den entsprechenden Wirtschaftszweigen, der schon jetzt gravierende ökonomische Konsequenzen mit sich bringt. Und die Prognosen, die im Juni auf dem Nationalen MINT-Gipfel immer wieder zu hören waren, müssen aufrütteln. Denn kurz zuvor wurde der „MINT-Frühjahrsreport“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)[1] veröffentlicht, der belegt, dass im April 2021 rund 145.000 Arbeitskräfte in den MINT-Berufen fehlten. Es handelt sich um Stellen, die nicht ohne weiteres besetzt werden können. Denn es fehlt neben Fachkräften aus dem Ausland vor allem der Nachwuchs.

Zu wenig junge Menschen entscheiden sich nach der Schule für eine Ausbildung in einem MINT-Beruf oder für ein naturwissenschaftliches bzw. technisches Studienfach. Viele kennen nicht einmal den Begriff: MINT.

MINT ist die Abkürzung oder Bezeichnung für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Die Begeisterung für diese Fächer kann gar nicht zu früh geweckt werden. Als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten glauben wir: Eine gute naturwissenschaftlich-technische Bildung muss entlang der gesamten Bildungskette flächendeckend in allen Bundesländern angeboten werden.

Bereits in der Kita und in der Grundschule können hierfür die Weichen gestellt werden, um junge Menschen später für naturwissenschaftliche und technische Ausbildungen, Studiengänge und Berufszweige zu begeistern.

Deshalb haben wir bereits im aktuellen Koalitionsvertrag festgelegt, dass Institutionen wie die Stiftung „ Das Haus der Kleinen Forscher“ gefördert werden müssen. Die Stiftung engagiert sich bundesweit – und seit Kurzem sogar mit institutioneller Förderung des Bundes – für gute und vor allem frühe Bildung in den MINT-Disziplinen. Sie wollen schon früh das Interesse für naturwissenschaftliche Zusammenhänge wecken; Mädchen und Jungen sollen spielerisch lernen und für die Zukunft zu nachhaltigem Handeln befähigt werden. Zusammen mit vielen MINT-Akteurinnen und –Akteuren, mit rund 200 Netzwerkpartner:innen, stellt die Stiftung ein Bildungsprogramm zur Verfügung, das pädagogische Fach- und Lehrkräfte durch MINT-Expertise unterstützt und für sie außerdem Fortbildungen anbietet.

Die Förderung der Jüngsten im MINT-Bereich ist ein wichtiger Baustein. Daneben müssen aber viele weitere Stränge ineinander greifen. Der MINT-Aktionsplan, der 2019 ins Leben gerufen wurde, stellt für neue Maßnahmen im MINT-Bereich 55 Millionen Euro bereit. Neben kommunikativen Maßnahmen und gezielter Forschung zu erfolgreicher und qualitativer MINT-Bildung sind zwischen November 2020 und Januar 2021 „regionale MINT-Cluster“ gestartet. In der ersten Förderungsrunde wurden 22 Cluster aus 14 Bundesländern mit jeweils mindestens einer halben Million Euro gefördert. Die Gesamtfördersumme für die MINT-Cluster beträgt sogar 32 Millionen Euro.

Die MINT-Cluster vernetzen sich mit den Schulen und ergänzen als außerschulische Lernorte den MINT-Unterricht für die Zielgruppe der 10- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schüler. Anfang 2021 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) dann die zweite Wettbewerbsrunde zur Förderung von rund zwanzig weiteren MINT-Clustern ausgeschrieben. Diese Maßnahmen sollen gemeinsam die MINT-Bildung an Schulen bekannter machen und für ein abwechslungsreiches und interessantes Angebot sorgen.

Die Expertise für gute MINT-Bildung gibt es aber natürlich nicht nur in der Kita, an der Schule oder an der Hochschule. In Deutschland gibt es zahlreiche Vereine, Organisationen und Verbände, die sich für MINT-Bildung engagieren. Um diese verschiedenen Akteure erfolgreich zu vernetzen, wurde gemäß einer weiteren Säule des MINT-Aktionsplans eine MINT-Vernetzungsstelle ins Leben gerufen[2]. Die Vernetzungsstelle, kurz „MINTvernetzt“, ist eine Anlaufstelle für die MINT-Community in Deutschland mit verschiedenen Angeboten und Vernetzungsformaten und hat im Mai 2021 ihre Arbeit aufgenommen. Sie wird mit 12 Millionen Euro gefördert. Durch sie soll Transparenz geschaffen und Expertise in den MINT-Fächern ausgetauscht, gebündelt und erhöht werden. Eine MINT-E-Plattform wird aufgebaut und das Angebot ergänzen.

Als Berichterstatter für MINT-Bildung in der SPD-Bundestagsfraktion und als Chemiker kann ich nur immer wieder betonen, wie wichtig es ist, dass wir diese Ansätze mit Nachdruck weiterverfolgen. Denn: Wir sind minteinander auf einem guten Weg, der aber noch lange nicht zu Ende ist. Bezüglich MINT und Digitalisierung ist noch viel zu tun. Neben den Maßnahmen im MINT-Aktionsplan müssen wir die naturwissenschaftlich-technische Bildung auch künftig verstärkt in den Fokus rücken, um Kindern und Jugendlichen berufliche Perspektiven zu bieten, die MINT-Fachkräftelücke perspektivisch zu schließen und Deutschland als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort zu stärken.

[1] https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2021/MINT-Fr%C3%BChjahrsreport_2021_finale_Fassung_27_05_2021.pdf

[2] https://www.koerber-stiftung.de/mint-vernetzungsstelle-deutschland