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Um den Erfolg des „CleanTech Business Park“ (CBP) in Marzahn-Hellersdorf ein wenig besser zu verstehen, lohnt sich ein kleiner Ausflug in die bewegte Wirtschaftsgeschichte der Metropole Berlin:

Am 27.04.1920 wurden 7 Nachbarstädte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke mit Berlin im dritten Anlauf und mit knapper Mehrheit zu Groß-Berlin zusammengeschlossen. Am 01.10.1920 trat das“ Groß-Berlin-Gesetz“ in Kraft. Über Nacht wurde Berlin mit 3,9 Millionen Einwohnern so zur drittgrößten Metropole nach New York und London.

Die Hauptgründe für den Zusammenschluss waren Wohnungsmangel, Finanznöte und wachsende Verkehrsströme. Einhundert Jahre später gibt es diese Probleme erneut oder wieder. Das neue Berlin wurde in 20 Verwaltungsbezirke (Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Charlottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Zehlendorf, Schöneberg, Steglitz, Tempelhof, Neukölln, Treptow, Köpenick, Lichtenberg, Weißensee, Pankow, Reinickendorf) gegliedert. Die Bildung der Einheitsgemeinde Berlin und die Gliederung in Zentral- und Bezirksverwaltung ist bis heute umstritten. Doch ohne sie wäre Berlin eben nicht Berlin. Eine pulsierende Stadt mit ihren Ecken und Kanten. Man kann die Stadt lieben oder hassen. Dazwischen bleibt wenig Platz. Ohne das Wissen um die Entstehung der Stadt wird man auch nicht verstehen, warum Berlin eine Vielzahl von Stadtzentren hat.

Durch den Maschinenbau und die Elektroindustrie entwickelte sich Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum größten Industriezentrum in Deutschland. Das begünstigte auch andere Branchen, wie die Bau-, Nahrungsmittel- und Bekleidungsindustrie.

Bereits vor dem 2. Weltkrieg galten die Berliner Industrieunternehmen als innovativ und verfügten über ein großes Know-how. Über eine halbe Million Menschen waren im produzierenden Gewerbe beschäftigt.

Nach dem 2. Weltkrieg war Berlin zu weiten Teilen zerstört. Nur noch 25 % der maschinellen Kapazitäten existierten. Es kam zur Abwanderung von Industrieunternehmen in den Westen Deutschlands. Dem wurde mit Subventionen entgegengewirkt. Damit stieg die Anzahl der Beschäftigten bis 1961 wieder auf über 300.000.

Durch den Mauerbau und infolge des fehlenden Stromverbundes zogen sich weitere Großunternehmen aus Westberlin in Richtung Westdeutschland zurück. Dem versuchte der Senat durch finanzielle Förderungen entgegenzuwirken. Die sogenannte Berlinförderung gab es für die Ausbildung junger und qualifizierter Fachkräfte. Kleine und mittelständische Unternehmen, die sich mit der Entwicklung und Anwendung energiesparender und umweltverträglicher Technologien beschäftigten, wurden ebenfalls gefördert. Es wurden Flächen mit guter Verkehrsanbindung zur Verfügung gestellt.

Mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Wandel Berlins zur neuen bundesrepublikanischen Hauptstadt setzte zunächst ein tiefgreifender Strukturwandel ein. Während der Berliner Westen bereits geschwächt war durch die Verlagerung von Firmen- und Produktionssitzen nach Westdeutschland durchlitt der Berliner Osten einen fatalen Niedergang. Durch den Zusammenbruch und raschen Abbau von DDR-Großkombinaten und den Ausverkauf vieler DDR-Industrieanlagen lagen viele Ost-Bezirke in den 90er Jahren faktisch brach. Dies erklärt auch die bis zum heutigen Tag bestehende geringe Beschäftigtendichte in der Industrie.

Die Renaissance des Wirtschaftsstandorts Berlin setzte in den Nullerjahren ein: Zunächst zögerlich als Geheimtipp für Touristen und Dienstleistungshochburg etablierte sich die Hauptstadt im Laufe der Jahre zu einem wiedererwachten deutschen Wirtschaftsstandort. Mittlerweile ist diese wirtschaftliche Dynamik auch in fast allen anderen Wirtschaftsbereichen wieder angekommen. Und darüber hinaus: Gründerinnen und Gründer digitaler Start-ups, Unternehmen, die sich mit der Entwicklung klimafreundlicher Technologien beschäftigen und Start-ups, die hochwertige Industriedienstleistungen anbieten.

Um diese potentiellen Synergieeffekte potentiell zu bündeln, sind daher in Berlin mehrere innovative Wirtschafts- und Technologieparks entstanden, die sogenannten „Zukunftsorte Berlin“: Beispielsweise der EUREF-Campus in Schöneberg, die Technologieparks Adlershof & Humboldthain und im äußersten Osten der Stadt der „CleanTech Marzahn“ in Marzahn-Hellersdorf. Eingebettet in den Zukunftsort CleanTech Marzahn (300ha) ist der CleanTech Business Park Marzahn (CBP) als größtes zusammenhängendes Areal für produzierende Unternehmen in ganz Berlin, die auf nachhaltige und effiziente Technologien spezialisiert sind. Aufgrund seiner Lage und Größe bietet der CBP ganz besonders attraktive Voraussetzungen für Investoren. So ist das Areal beispielsweise auch mit einer Kernzone für Störfallanlagen zugelassen. Dies ermöglicht beispielsweise die chemische Forschung an umweltverträglichen und nachhaltigen Materialien.

Neben der überraschend guten und schnellen Anbindung des ÖPNV an das überregionale Schienennetz aber auch in die Berliner Innenstadt, bietet Marzahn-Hellersdorf selbst als siebtgrößter Berliner Bezirk eine lebenswerte und attraktive Umgebung an. So ist (nach reiner Fläche gerechnet) Marzahn-Hellersdorf der Bezirk mit den meisten Grünanlagen Berlins.

Der Zukunftsort CleanTech Marzahn ist außerdem in die regionale Wirtschaftsförderung des Bezirks eingebunden und an ein Investoren- und Unternehmernetzwerk angeschlossen. Der Industriepark hat dabei eine klare Voraussetzung bezüglich seiner Unternehmen: umweltfreundliche Energien und Energiespeicherung, Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität, nachhaltige Wasserwirtschaft, Rohstoff- und Materialeffizienz sowie grüne Chemie werden präferiert angesiedelt. Forschung und Entwicklung sollen dabei idealerweise vor Ort Hand in Hand gehen; Projekte mit Berliner Hochschulen sind in Gange oder in Planung, hierbei unterstützt beispielsweise der TransferHub die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft vor Ort.

Saubere und zukunftsfähige Industrien sind ein entscheidender Wachstumsmotor der Berliner Wirtschaft. Weltweit steigt der Bedarf an Gütern und Dienstleistungen. Gleichzeitig sinkt die Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen. Die Energiewende verstärkt diesen Bedarf nach sauberen, nachhaltigen und gleichzeitig wirtschaftlichen Lösungen noch zusätzlich. Mit dem CleanTech Business Park stellt die Stadt Berlin und der Bezirk Marzahn-Hellersdorf die Weichen für eine Zukunft, in der die deutsche Hauptstadt weltweit eines der Zentren für die Forschung und Entwicklung von nachhaltigen Produkten, Materialien und sauberen Energien sein wird.

Um den Industriepark weiter zu fördern, bedarf es Handlung auf verschiedenen Ebenen:

  • Vernetzung mit Wissenschaft stärken: Gerade im Bereich neuer Technologien ist eine enge Kooperation zwischen Forschung/Wissenschaft und Unternehmen essenziell. Bereits heute gibt es eine Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) -TransferHub-. Diese und ähnliche Kooperationen sollten weiter ausgebaut werden, bspw. über die gezielte Förderung gemeinsamer Projekte zwischen Unternehmen, Forschern, und Studierenden
  • Verkehrsanbindung verbessern: Die Attraktivität gewerblicher Standorte ist eng verknüpft mit der Erreichbarkeit. Hierzu zählen die Ortsumfahrung Ahrensfelde und die Tangentiale Verbindung Ost, sowie die Verlängerung der A100.
  • Der Ausbau von niederschwelligen Angeboten kann helfen, einen dynamischen Austausch von Know-How zu fördern und so weitere Unternehmen im Bereich CleanTechIndustrie anzuziehen.
  • Lokale Vernetzung ausbauen: Anders als bei vergleichbaren Industriepark „auf der grünen Wiese“ bietet Marzahn-Hellersdorf eine lokale städtische Infrastruktur. Neben der Verkehrsanbindung gehen damit kulturelle Angebote, Kitas und Schulen, Wohn- und Einkaufsmöglichkeiten einher. Die Pandemie hat gezeigt: Menschen möchten Arbeit und Leben besser miteinander verbinden können. Die Weiterentwicklung des Areals in Verbindung mit der direkten Nachbarschaft kann ein entscheidender Standortvorteil sein.

Eine direkte Vernetzung zwischen Abgeordneten aus dem Bezirk, Land, Bund, Wirtschaft und dem Betreiber ist für diese Punkte Grundvoraussetzung: integrierte Planung, anstelle von Parallelwelten.