04.11.2021Beitrag

Das Sauerland eröffnet eine „Botschaft“ in Berlin

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In ein paar Tagen betritt das Sauerland das diplomatische Parkett in der Hauptstadt. Die „Sauerländer Botschaft“ bringt ein Stück Heimat an die Spree. Die große Community der Sauerländerinnen und Sauerländer bekommt eine Anlaufstelle. Alles regelkonform im Sinne des Ursprungsgedankens des Wiener Kongresses, als erstmals Botschaften zwischen Staaten eingerichtet wurden.

Heute steht die Vernetzung im Vordergrund. Dazu gehöre auch ich als heimischer Bundestagsabgeordneter für den geografischen Mittelpunkt des Sauerlandes, dem Hochsauerlandkreis. Im Bundestag hat das Sauerland als Teil der Wirtschafts- und Industrieregion Südwestfalen mit 13 Abgeordneten bereits eine starke Stimme. Und um es sehr selbstbewusst gleich vorweg zu nehmen: Die Region Südwestfalen mit den Kreisen Soest, Märkischer Kreis, Olpe, Siegen-Wittgenstein und dem Hochsauerlandkreis ist heute das industrielle Herz von Nordrhein-Westfalen. Bundesweit liegen nur zwei Regionen in Baden-Württemberg statistisch vor uns. Dazu aber gleich mehr.

Jetzt legen wir jedenfalls eine repräsentative Schüppe drauf. Entstehen soll in den kommenden Wochen ein starkes Netzwerk von Politikern, Unternehmern, Multiplikatoren und anderen sogenannten „Exil-Sauerländern“, die ihre zweite Heimat für immer oder temporär in Berlin gefunden haben.

Es ist ein Projekt, bei dem ich gerne mitwirke. So habe ich mich bereit erklärt, die Schirmherrschaft zu übernehmen und freue mich besonders, dass alle 13 Abgeordnete von SPD, CDU, Grünen und FDP aus Südwestfalen bei der offiziellen Eröffnung der Sauerländer Botschaft dabei sind.

Aber was muss man sich eigentlich ökonomisch unter dem Sauerland vorstellen? Eingebettet in die drittstärkste Industrieregion Deutschlands und stärksten Industrieregion Nordrhein-Westfalens, nämlich Südwestfalen, ist das Sauerland eine starke Wirtschafts- und Industrieregion im Grünen. Dabei denken viele vielleicht an eine typische Industrielandschaft mit vielen Fabriken und wenig Grün. Doch das Gegenteil ist der Fall. Denn getreu dem Motto „Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen.“ ist das Sauerland zugleich das beliebteste Tourismusgebiet NRWs, sowohl im Sommer zum Wandern und Biken als auch im Winter zum Skifahren. Darin eingebettet liegen die vielen mittelständischen familiengeführten Betriebe, die das Sauerland zu einer so starken Wirtschaftsregion machen.

Das Strukturförderprogramm REGIONALE 2013 der einstigen nordrhein-westfälischen Landesregierung von Hannelore Kraft hat der Region einen kooperativen und außenwirksamen Schub verliehen. Mit dem erneuten Zuschlag für die REGIONALE 2025 geht ein erneuter Ruck des digitalen Aufbruchs durch die Region. Die Arbeit der Südwestfalen-Agentur als koordinierender Stelle ist dabei ein Gewinn für die Region vor Ort und darüber hinaus. Die Zahlen sprechen dabei für sich.

In der Region Südwestfalen leben rund 1,5 Millionen Bürger*innen. Die Region beheimatet über 170 Weltmarktführer, vor allem in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Automobilzulieferindustrie sowie Gebäudetechnik. Einige Beispiel sind KIRCHHOFF Automotive, Hella, Veltins, Trilux oder OVENTROP. Durch diese industrielle Stärke hat die Region andere Teile NRWs inzwischen hinter sich gelassen.

Doch auch die globalen Herausforderungen zeigen sich bei uns wie unter einem Brennglas. Die starke Exportabhängigkeit erfordert offene Märkte und funktionierende Lieferketten. Der Ruf nach einer sicheren und vor allem bezahlbaren Energieversorgung wird gerade bei der Eisen- und Gussindustrie zu Recht immer lauter. Der vorhandene Wille zur Transformation muss durch staatliche Investitionen flankiert werden. Die Infrastruktur, gerade für die vielen Schwertransporte, ertüchtigt werden.

Der demografische Wandel schlägt zudem mit voller Wucht zu: Aktuell gibt es in der Region seit 1982 zwar 11 % mehr Arbeitsplätze in der Industrie, während die Zahl in NRW um 39 % zurückgegangen ist. Trotz des Standortvorteils bleibt der Fachkräftemangel das größte Problem in Industrie und Handwerk. So steigt die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze, da die Zahl der Bewerber seit 2010 um 15 % zurückgegangen ist, während nur 10 % der Ausbildungsstellen weggefallen sind. So kommen im Durchschnitt zwei Stellen auf einen Bewerber. Ohne Zuwanderung aus nah und fern wird es nicht gehen.

Kurzum: Netzwerken und Regionalmarketing sind heute wichtiger denn je. Daher wollen wir das Sauerland als Wirtschafts- und Industriestandort bekannter machen. Die Sauerländer Botschaft ist eine gute Möglichkeit dafür. Denn ich bin zur Bundestagswahl angetreten mit dem Spruch „Mehr Sauerland in Berlin“ und genau das verkörpert der Verein. Wir Sauerländer sind jedenfalls stolz darauf, die Hauptstadt ein wenig diplomatisch aufzumischen!